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Wer zum ersten Mal einen medizinischen Kompressionsstrumpf in der Hand hält, unterschätzt das Material fast immer. Es fühlt sich elastisch an, gibt aber genau dort nicht nach, wo man zieht. Viele Menschen scheitern zu Hause am zweiten Morgen. Danach liegen die Strümpfe in der Schublade, und die Behandlung, für die sie gedacht waren, findet nicht statt.
Warum Kompressionsstrümpfe so schwer anzuziehen sind
Ein Kompressionsstrumpf arbeitet mit definiertem Druck. Damit dieser stimmt, ist das Gestrick enger gearbeitet als bei einer normalen Socke und bewusst so gewebt, dass es sich nicht beliebig dehnen lässt. Ab Kompressionsklasse 2 spüren das die meisten sofort: Der Strumpf lässt sich nicht überstreifen, sondern muss über die Ferse regelrecht gearbeitet werden.
Dazu kommt, dass mehrere Dinge gleichzeitig gefordert sind. Sie müssen sich weit genug nach vorne beugen, Sie brauchen Griffkraft in beiden Händen, und Sie müssen den Strumpf gleichmäßig hochziehen, ohne dass er sich zusammenrollt. Fällt eine dieser Voraussetzungen weg, wird es schwierig.
Typische Gründe, warum es nicht klappt
Bei Arthrose in den Fingergelenken fehlt die Kraft im Griff. Nach einer Hüft- oder Knie-Operation ist die Beugefähigkeit für Wochen eingeschränkt: Wer die Hüfte nicht über 90 Grad beugen darf, kommt nicht an den eigenen Fuß. Bei Übergewicht ist der Bauch im Weg, außerdem erfordert der größere Beinumfang mehr Kraft. Bei Schulterproblemen ist nicht der Griff das Problem, sondern die Haltung. Und schließlich gibt es die Menschen, denen schlicht niemand gezeigt hat, wie es geht.
Die Regeln, die vor jeder Anziehhilfe kommen
Morgens anziehen, direkt nach dem Aufstehen. Über Nacht laufen die Beine ab, der Umfang ist am geringsten. Wer erst nach dem Frühstück anfängt, kämpft gegen ein bereits angeschwollenes Bein. Der Unterschied ist oft größer als jedes Hilfsmittel.
Die Haut muss trocken sein, feuchte Haut bremst das Gestrick sofort aus. Keine Creme vorher: Pflegeprodukte gehören auf das Bein, wenn der Strumpf abends ausgezogen wird.
Ringe ab, Fingernägel kurz. Ein Ring mit Fassung oder ein längerer Nagel zieht eine Laufmasche, die den Strumpf unbrauchbar macht. Nicht mit den Fingerspitzen zerren: Der Strumpf wird mit der flachen Hand gefasst und stückweise hochgearbeitet.
Die sieben Systeme im Überblick
| System | Wofür | Für wen | Preisklasse |
|---|---|---|---|
| Gleitsocke, offene Zehen | Gleiten über Vorfuß und Ferse | Wer den Fuß erreicht | Einstieg |
| Gleitgestell | Strumpf aufspannen, Fuß hineinstellen | Kaum Beugung möglich | Premium |
| Anziehhandschuhe | Griff und Kraftübertragung | Schwache Hände, Arthrose | Einstieg |
| Bügel und Rahmen | Strumpf offen halten | Eingeschränkte Beweglichkeit | Einstieg bis Mittelklasse |
| Sockenanzieher mit Kordeln | Anziehen ohne Bücken | Nach Hüft- oder Knie-OP | Einstieg bis Premium |
| Greifzange, Reha-Set | Ergänzung, Falten korrigieren | Reha-Phase, Rücken | Mittelklasse |
| System für Armstrümpfe | Kompression am Arm anlegen | Nach Lymphknoten-OP | Premium |
Die Preisangaben sind bewusst grob gehalten, denn die Preise schwanken stark. Prüfen Sie den aktuellen Preis bitte direkt bei Amazon.
System 1: Gleitsocke mit offener Zehenpartie
Die Gleitsocke ist ein glattes Stoffstück, das über den Fuß gezogen wird und an den Zehen offen ist. Der Kompressionsstrumpf wird über diese Gleitschicht geschoben, statt gegen die Hautreibung zu arbeiten. Ist er oben, ziehen Sie die Gleitsocke vorn wieder heraus.
Ansehen ↗Der Vorteil ist die Kombination aus geringem Preis und geringem Platzbedarf. Eine Gleitsocke mit offener Zehenpartie für Kompressionssocken gehört zu den preiswertesten Lösungen und wird mit gut vier von fünf Sternen bewertet, allerdings bei bisher überschaubarer Bewertungszahl.
Die Grenze des Systems: Es hilft beim Gleiten, nicht beim Greifen und nicht beim Bücken. Für Strümpfe mit geschlossener Fußspitze gibt es Varianten, bei denen die Gleitsocke seitlich herausgezogen wird. Achten Sie darauf, dass die Variante zu Ihrem Strumpftyp passt.
System 2: Gleitgestell zum Aufspannen
Das Anziehgestell ist die aufwendigste Bauform: ein Rahmen mit zwei oder drei Bügeln, über die der Strumpf aufgespannt wird. Anschließend stellt man den Fuß in die Öffnung und zieht das Gestell an Griffen oder Kordeln nach oben, wobei sich der Strumpf über das Bein abrollt.
Diese Systeme kommen meist aus dem Sanitätshaus und liegen im Premiumbereich. Sie sind sperrig, lösen dafür aber als einziges System alle drei Probleme gleichzeitig: das Bücken, die Handkraft und das Offenhalten.
Ehrlich gesagt braucht die Mehrheit kein Gestell. Sinnvoll wird es, wenn jemand nach einer Hüftoperation dauerhaft nicht an den Fuß kommt oder wenn beide Hände deutlich geschwächt sind. Wer ohnehin dabei ist, die Wohnung altersgerecht anzupassen, findet in unserem Beitrag zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen und dem Zuschuss von bis zu 4.180 Euro die passenden Fördermöglichkeiten.
Gleitsocke mit offener ZehenpartieWenn Sie klein anfangen möchten, hilft die Gleitschicht dem Strumpf über Ferse und Vorfuß.AnsehenSystem 3: Anziehhandschuhe mit Noppen
Wenn es ein System gibt, mit dem man anfangen sollte, dann dieses. Anziehhandschuhe sind dünne Handschuhe mit aufgerauter oder genoppter Beschichtung. Sie greifen im Gestrick, ohne es zu beschädigen, und verteilen den Zug über die ganze Handfläche statt über zwei Fingerspitzen.
Ansehen ↗Der Effekt überrascht viele. Ein Strumpf, der sich mit bloßen Händen kaum bewegen ließ, lässt sich mit Handschuhen in kleinen Schritten hocharbeiten. Die Juzo Anzieh-Spezialhandschuhe für Kompressionsstrümpfe stammen aus der klassischen Sanitätshausversorgung und sind auf medizinisches Gestrick abgestimmt. Sie liegen im Einstiegsbereich und schneiden bei mehreren Hundert Bewertungen stabil mit knapp fünf Sternen ab.
Wichtig ist die Größe: Ein zu großer Handschuh rutscht und überträgt keine Kraft, ein zu kleiner schnürt ein. Waschen Sie ihn regelmäßig, denn Hautfett auf der Beschichtung reduziert den Griff spürbar.
System 4: Bügel- und Rahmensysteme
Zwischen Gleitsocke und großem Gestell liegen die einfachen Bügel- und Rahmenhilfen: flexible Kunststoffschalen, über die der Strumpf gestülpt wird. Der Rahmen hält ihn offen, Sie steigen mit dem Fuß hinein und ziehen dann Rahmen und Strumpf gemeinsam nach oben.
Ansehen ↗Diese Zwischenklasse ist der beste Kompromiss für Menschen, die sich noch bücken können, aber Probleme haben, die enge Öffnung aufzuhalten. Eine flexible Anziehhilfe für Socken und Hosen im Doppelpack gehört in diese Kategorie, liegt im Einstiegsbereich und hat über 12.000 Bewertungen gesammelt.
Beachten Sie, dass viele dieser Modelle für normale Socken entwickelt wurden. Bei sehr festem Gestrick der Klasse 2 verformen sich dünne Kunststoffschalen unter dem Zug. Für Klasse 1 und Stützstrümpfe funktionieren sie in der Regel gut.
System 5: Sockenanzieher mit Kordeln
Der klassische Sockenanzieher ist eine halbrunde Rinne mit zwei langen Kordeln. Der Strumpf wird über die Rinne gezogen, die Rinne auf den Boden gelegt, der Fuß hineingeschoben, und dann ziehen Sie an den Kordeln, bis der Strumpf über der Ferse sitzt. Sie bleiben dabei aufrecht sitzen. Das ist das entscheidende Argument nach einer Hüft- oder Knieoperation.
Bei der Qualität zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Sammons Preston Anziehhilfe für Socken und Strümpfe mit Schaumstoffgriffen stammt aus dem Reha-Bereich und liegt im Premiumsegment. Die gepolsterten Griffe an den Kordelenden sind der eigentliche Punkt: Dünne Schnüre schneiden bei kraftvollem Zug in die Finger.
Achten Sie auf die Kordellänge. Sie sollte so bemessen sein, dass Sie im Sitzen mit gestreckten Armen ziehen können. Wer schon Schwierigkeiten hat, überhaupt in den Sitz zu kommen, sollte parallel prüfen, ob eine Aufstehhilfe für Bett, Sessel oder Toilette die Situation entspannt.
Juzo Anzieh-SpezialhandschuheDie genoppte Beschichtung greift im Gestrick, sodass Sie mit der ganzen Hand ziehen statt mit den Fingerspitzen.Ansehen
Flexible Anziehhilfe für Socken und HosenDer Kunststoffrahmen hält die enge Öffnung auf, wenn Sie sich noch bücken können.Ansehen
Sammons Preston SockenanzieherDie gepolsterten Griffe an den Kordeln schneiden beim Ziehen nicht in die Finger, und Sie bleiben dabei sitzen.AnsehenSystem 6: Greifzange und Reha-Set als Ergänzung
Eine Greifzange ist keine Anziehhilfe im engeren Sinn, aber sie löst das Problem danach. Wenn der Strumpf am Oberschenkel eine Falte wirft, abends heruntergezogen werden muss oder zu Boden fällt, kommt ein langer Greifer ins Spiel.
Praktischer als Einzelteile sind kombinierte Sets. Ein Reha-Set für Knie- und Hüft-OP mit langem Greifer und Sockenanzieher bündelt vier Teile, liegt in der Mittelklasse und hat über tausend Bewertungen. Der 80 Zentimeter lange Greifer ist der eigentliche Gewinn, weil kürzere Modelle bei Beugeverbot nicht weit genug reichen.
Weil das Aufheben vom Boden und das Anziehen im Stehen zu den häufigsten Sturzsituationen im Haushalt gehören, lohnt parallel ein Blick auf die gefährlichsten Stellen in der Wohnung und wie Sie Stürze vermeiden.
System 7: Spezialsysteme für Armstrümpfe
Kompression betrifft nicht nur Beine. Nach einer Lymphknotenentfernung werden häufig Armstrümpfe verordnet, und hier wird es besonders schwierig: Den Arm, der den Strumpf bekommt, können Sie nicht zum Anziehen benutzen. Alles muss einhändig funktionieren.
Dafür gibt es eigene Konstruktionen. Der medi Arm Butler als Anziehhilfe für Kompressions-Armstrümpfe ist ein Rahmen, in den der Armstrumpf eingespannt wird, sodass der Arm mit einer Bewegung hindurchgeführt werden kann. Er liegt im Premiumbereich und hat einige Hundert Bewertungen bei stabiler Wertung. Für Arme gibt es weniger Standardlösungen als für Beine, deshalb lohnt die Beratung im Sanitätshaus hier besonders.
Kostenübernahme: Wann die Krankenkasse zahlt
Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe können als Hilfsmittel über die gesetzliche Krankenkasse laufen. Voraussetzung ist, dass das konkrete Produkt im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist und eine ärztliche Verordnung vorliegt. Die stellt in der Regel der Arzt aus, der auch die Kompressionsstrümpfe verordnet hat.
Der Ablauf: Sie sprechen den Bedarf beim Arzt an, bekommen ein Rezept und lösen es im Sanitätshaus ein, das mit der Kasse abrechnet. Je nach Kasse kann eine vorherige Genehmigung nötig sein, das prüft das Sanitätshaus für Sie. Wie bei anderen Hilfsmitteln fällt eine gesetzliche Zuzahlung an, sofern Sie nicht befreit sind.
Ein Punkt, der oft für Enttäuschung sorgt: Ein Kauf bei Amazon oder in einem anderen Onlineshop wird nicht erstattet. Die Kasse zahlt nur über den Versorgungsweg mit Verordnung und zugelassenem Leistungserbringer. Fragen Sie deshalb zuerst beim Arzt und im Sanitätshaus nach. Viele Sanitätshäuser haben verschiedene Anziehhilfen zum Ausprobieren vorrätig, und dieses Ausprobieren ist mehr wert als jede Produktbeschreibung.
Prüfpunkte vor dem Kauf
Wo liegt das eigentliche Problem? Griffkraft, Beugefähigkeit und Reibung sind drei verschiedene Probleme mit drei verschiedenen Lösungen. Beobachten Sie einmal genau, an welcher Stelle es hakt.
Passt die Hilfe zum Strumpftyp? Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf und Strumpfhose stellen unterschiedliche Anforderungen, und Gleitsocken gibt es getrennt für offene und geschlossene Fußspitze.
Wer benutzt sie? Wenn ein Angehöriger täglich hilft, sind Anziehhandschuhe für diese Person meist die bessere Investition als ein Gestell für den Betroffenen.
Ist der Umgang zumutbar? Ein System, das fünf Handgriffe in richtiger Reihenfolge verlangt, funktioniert bei beginnender Demenz nicht. Je einfacher, desto zuverlässiger wird es benutzt.
Wo liegt sie? Eine Anziehhilfe im Keller wird nicht benutzt. Der Platz neben dem Bett entscheidet oft mehr über den Erfolg als das Produkt selbst.
Reha-Set mit langem GreiferDas Set verbindet Sockenanzieher und langen Greifer, wenn nach einer Operation ein Beugeverbot gilt.Ansehen
medi Arm ButlerFür Armstrümpfe spannt dieser Rahmen den Strumpf auf, sodass das Anziehen einhändig gelingt.AnsehenHäufige Fragen
Welche Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe ist für den Anfang die richtige?
Für die meisten Menschen sind Anziehhandschuhe mit Noppen der sinnvollste erste Schritt. Sie kosten wenig, brauchen keinen Platz und lösen das häufigste Problem, nämlich fehlenden Griff im Gestrick. Erst wenn das nicht ausreicht, weil Sie den Fuß nicht erreichen oder die Kraft in beiden Händen fehlt, sind Gleitsocke, Sockenanzieher oder ein Anziehgestell die nächste Stufe.
Wann sollte man Kompressionsstrümpfe anziehen?
Am besten morgens direkt nach dem Aufstehen, solange die Beine über Nacht abgeschwollen sind. Mit jeder Stunde im Stehen oder Sitzen nimmt der Beinumfang zu, und der Strumpf lässt sich schwerer überstreifen. Die Haut sollte trocken sein, und Cremes gehören erst abends nach dem Ausziehen auf das Bein.
Zahlt die Krankenkasse eine Anziehhilfe für Kompressionsstrümpfe?
Das ist möglich, wenn das Produkt im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist und ärztlich verordnet wird. Das Rezept wird im Sanitätshaus eingelöst, das mit der Kasse abrechnet, teilweise nach vorheriger Genehmigung. Es fällt die übliche gesetzliche Zuzahlung an. Ein Kauf bei Amazon wird nicht erstattet, der Weg führt über Arzt und Sanitätshaus.
Brauche ich ein teures Anziehgestell?
In den meisten Fällen nicht. Ein Anziehgestell lohnt sich vor allem bei stark eingeschränkter Beweglichkeit, etwa wenn Sie nach einer Hüftoperation dauerhaft nicht an den Fuß kommen. Wer sich noch bücken kann und etwas Griffkraft hat, kommt mit Handschuhen, Gleitsocke oder einem Sockenanzieher meist genauso gut zurecht.
Kann eine Anziehhilfe den Kompressionsstrumpf beschädigen?
Bei sachgemäßem Gebrauch nicht. Gefährlich sind eher Ringe mit Fassung, lange Fingernägel und punktuelles Zerren mit den Fingerspitzen. Anziehhandschuhe senken dieses Risiko sogar, weil die Nägel gar nicht mehr am Gestrick sind. Prüfen Sie bei Kunststoffhilfen regelmäßig, ob Kanten rau geworden sind.
Welche Kompressionsklasse brauche ich?
Das entscheidet ausschließlich der behandelnde Arzt, und die Anpassung erfolgt im Sanitätshaus nach Maß. Die Klasse richtet sich nach dem medizinischen Befund und lässt sich nicht anhand von Beschwerden selbst festlegen. Wenn Sie unsicher sind, ist das ein Thema für den nächsten Arzttermin.
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