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Das Aufstehen aus dem Sessel ist für viele ältere Menschen die schwerste Bewegung des Tages. Aus einem tiefen, weichen Polster kommt man nur hoch, wenn die Oberschenkelmuskulatur mitspielt und das Gleichgewicht stimmt. Angehörige merken das oft daran, dass die Mutter oder der Vater seltener aufsteht, Getränke stehen lässt oder den Gang zur Toilette hinauszögert.
Ein Sessel mit Aufstehhilfe kann das entschärfen. Er kann aber auch teures Möbelstück bleiben, das selten benutzt wird, weil es nicht passt. Dieser Beitrag erklärt, wann sich die Anschaffung lohnt, worin der Unterschied zwischen mechanisch und elektrisch besteht und was die Kassen dazu sagen.
Warum das Aufstehen aus dem Sessel so schwer wird
Beim Aufstehen passieren drei Dinge gleichzeitig: Der Oberkörper neigt sich nach vorn, bis der Schwerpunkt über den Füßen liegt. Die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur drückt den Körper nach oben. Das Gleichgewichtssystem hält die Balance, bis der Stand sicher ist. Fällt einer dieser Punkte aus, klappt die Bewegung nicht mehr.
Im Alter trifft es meist die Kraft zuerst, besonders schnell nach längerer Krankheit oder einem Krankenhausaufenthalt. Dazu kommen typische Einschränkungen: Arthrose macht die tiefe Beugung schmerzhaft, eine Hüftprothese verbietet oft dauerhaft einen Hüftwinkel unter 90 Grad, Parkinson erschwert den Bewegungsstart.
Der Sessel selbst verschärft das Problem. Klassische Polstersessel sind niedrig gebaut, Sitzhöhen von 40 Zentimetern und darunter sind normal, dazu ein weiches Polster, in das man einsinkt. Effektiv sitzt man tiefer als der Katalog verspricht, und jeder Zentimeter weniger bedeutet mehr Kraftaufwand.
Wann eine einfache Lösung reicht
Bevor Sie über einen neuen Sessel nachdenken, prüfen Sie den alten. Oft liegt das Problem nur an der Höhe. Ein festes Sitzkissen, das die Sitzfläche um 8 bis 12 Zentimeter anhebt, löst erstaunlich viele Fälle, kostet einen Bruchteil eines Aufstehsessels und passt auf jeden Stuhl. Ein Klassiker ist ein festes Stuhlkissen zur Sitzerhöhung mit rutschhemmender Unterseite, das mit über 3.000 Bewertungen und 4,5 Sternen zu den meistgekauften Produkten dieser Gruppe zählt.
Wichtig ist die Festigkeit. Ein weiches Dekokissen bringt nichts, weil es unter dem Körpergewicht zusammensackt. Gefragt ist fester Schaum, der die Höhe hält, plus rutschhemmende Unterseite. Wenn das Aufstehen mit einer solchen Erhöhung wieder klappt, brauchen Sie keinen elektrischen Sessel. Diesen Test sollten Sie ernsthaft machen, bevor Sie viel Geld ausgeben.
Ähnlich sieht es an anderen Stellen der Wohnung aus. Wer morgens nicht aus dem Bett kommt, braucht keinen neuen Sessel, sondern eine Aufstehhilfe fürs Bett. Einen Gesamtüberblick finden Sie in unserem Vergleich der Aufstehhilfen für Bett, Sessel, Toilette und Boden.
Mechanisch oder elektrisch: der entscheidende Unterschied
Der Begriff „Relaxsessel“ wird im Handel großzügig verwendet, und daraus entstehen die meisten Fehlkäufe. Wer einen mechanischen Relaxsessel bestellt und eine Aufstehhilfe erwartet, bekommt etwas völlig anderes.
| Art | Wofür | Für wen | Preisklasse |
|---|---|---|---|
| Sitzkissen mit Erhöhung | Sitzfläche anheben, vorhandenen Sessel nutzbar halten | Leichte Startschwierigkeiten, Knieprobleme | Einstieg |
| Mechanischer Relaxsessel | Zurücklehnen und Beine hochlegen per Körpergewicht | Wer kräftig genug ist und nur bequem sitzen will | Einstieg |
| Elektrisch, 1 Motor | Aufstehhilfe und Liegefunktion gekoppelt | Der klassische Fall: Aufstehen fällt schwer | Einstieg bis Mittelklasse |
| Elektrisch, 2 Motoren | Lehne und Fußteil getrennt verstellbar | Lange Sitzzeiten, Beine hochlegen bei Ödemen | Mittelklasse |
| Elektrisch, 3 Motoren | Zusätzlich Kopfstütze oder Lendenbereich separat | Sessel als Hauptaufenthaltsort, teils Schlafen im Sessel | Premium |
| Elektrisch mit Wärme und Massage | Zusatzkomfort bei Verspannungen | Nice-to-have, kein medizinisches Kriterium | Mittelklasse bis Premium |
Was ein mechanischer Sessel wirklich kann
Ein mechanischer Relaxsessel funktioniert über das Körpergewicht: Sie lehnen sich zurück, die Lehne gibt nach, das Fußteil klappt aus. Diese Sessel brauchen keine Steckdose und kosten weniger. Ein Beispiel ist ein mechanischer Relaxsessel mit Liegefunktion und ausklappbarer Fußstütze mit 4,5 Sternen.
Was er nicht kann: beim Aufstehen helfen. Im Gegenteil. Um die Lehne wieder aufzurichten, muss man sich mit Kraft nach vorn arbeiten und das Fußteil zusammendrücken. Der mechanische Sessel ist die richtige Wahl für alle, die bequem sitzen wollen und noch gut auf den Beinen sind, und die falsche bei echtem Hilfebedarf.
Wie die elektrische Aufstehhilfe arbeitet
Beim elektrischen Aufstehsessel fährt ein Motor die gesamte Sitzeinheit nach vorn oben und kippt sie um etwa 30 bis 45 Grad. Der Körper wird angehoben, bis die Füße Bodenkontakt haben und das Gewicht auf den Beinen liegt. Der letzte Schritt in den Stand bleibt Ihre Aufgabe, der Sessel nimmt nur den schwersten Teil ab.
Bedient wird das über eine Handsteuerung. Diese Fernbedienung ist ein unterschätztes Kaufkriterium: Große Tasten mit klarem Druckpunkt sind bei nachlassender Feinmotorik wichtiger als jede Massagefunktion.
Ein Motor, zwei Motoren oder drei?
Die Motorzahl ist das Verkaufsargument Nummer eins und für die meisten Käufer trotzdem die unwichtigste Entscheidung.
Ein Motor: der Standardfall
Bei einem Motor sind alle Bewegungen gekoppelt: von der Aufstehposition über die Sitzposition bis zur Liegeposition, Lehne und Fußteil bewegen sich gemeinsam. Für den Zweck „sitzen, gelegentlich die Beine hochlegen, ohne Mühe wieder aufstehen“ reicht das aus. Ein Beispiel ist ein elektrischer Relaxsessel mit Aufstehhilfe und Belastbarkeit bis 150 kg mit 4,4 Sternen bei über 150 Bewertungen. Wer lieber Kunstleder mit klassischer Optik möchte, findet mit einem Seniorensessel mit elektrischer Aufstehhilfe und Liegefunktion bis 140 Grad ein vergleichbar bewertetes Modell.
Der Nachteil: Sie können die Beine nicht hochlegen, ohne die Lehne zurückzufahren. Wer aufrecht sitzen will, während die Beine oben sind, merkt den Unterschied.
Zwei Motoren: sinnvoll bei langen Sitzzeiten
Zwei Motoren steuern Rückenlehne und Fußteil getrennt. Wichtig wird das, wenn jemand viele Stunden am Tag im Sessel verbringt. Bei Wassereinlagerungen etwa sollen die Beine erhöht liegen, während der Oberkörper aufrecht bleibt. Das ist mit einem Motor nicht möglich. Auch der Positionswechsel, der Druckstellen vorbeugt, gelingt so leichter.
Drei Motoren: nur für Vielsitzer
Beim dritten Motor kommt meist die separate Verstellung der Kopf- oder Lendenstütze hinzu, teils eine fast flache Liegeposition. Relevant ist das, wenn der Sessel den Lebensmittelpunkt bildet, wenn also tagsüber dort geschlafen wird und der Weg ins Bett schwerfällt. Ein Modell dieser Klasse ist ein Fernsehsessel mit drei Motoren, getrennt verstellbarer Rückenlehne und Beinstütze sowie verstellbarer Kopfstütze, das mit über 400 Bewertungen zu den meistbewerteten Aufstehsesseln überhaupt gehört.
Ganz deutlich: Für die meisten Nutzer ist der dritte Motor rausgeworfenes Geld. Stecken Sie das Budget lieber in die passende Sitzhöhe, höhere Belastbarkeit und einen pflegeleichten Bezug. Diese Punkte entscheiden darüber, ob der Sessel benutzt wird, die Motorzahl nicht.
Wärme und Massage
Vibrationsmassage und Heizfunktion im Lendenbereich sind Komfort, kein medizinisches Merkmal: angenehm bei Verspannungen, danach oft vergessen. Ein Beispiel mit sehr guter Bewertung ist ein Aufstehsessel mit verbreiterter Rückenlehne, Massage- und Heizfunktion im Mikrofaserbezug mit 4,7 Sternen. Bezahlen Sie dafür aber keinen Aufpreis, der Ihnen an anderer Stelle fehlt.
Zahlt die Kranken- oder Pflegekasse den Aufstehsessel?
Die klare Antwort vorweg: in aller Regel nicht. Aufstehsessel gelten als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Ein Sessel ist ein Möbelstück, das jeder Haushalt hat, und die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt keine Möbel, auch nicht mit eingebauter Zusatzfunktion. Anträge auf einen kompletten Aufstehsessel werden fast durchgängig abgelehnt.
Ausnahmen gibt es bei reinen Aufrichthilfen, die keinen Sessel ersetzen, sondern als medizinisches Hilfsmittel eingestuft sind, etwa bestimmte Sitzkissen mit Katapultmechanik. Ob die Kasse mitzieht, hängt von Diagnose und Begründung des Arztes ab. Lassen Sie sich die Notwendigkeit im Rezept konkret begründen, statt nur den Produktnamen aufschreiben zu lassen. Welche Hilfsmittel tatsächlich regelmäßig übernommen werden, zeigt unsere Übersicht der Pflegehilfsmittel, die die Pflegekasse zahlt.
Auch der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen greift beim Sessel normalerweise nicht. Gefördert werden fest verbaute Umbauten wie eine bodengleiche Dusche, Türverbreiterungen oder ein Treppenlift. Ein frei stehendes Möbelstück fällt nicht darunter. Bei welchen Maßnahmen der Zuschuss dagegen greift, lesen Sie in unserem Ratgeber zu den wohnumfeldverbessernden Maßnahmen und dem Zuschuss der Pflegekasse.
Bleiben zwei realistische Wege. Erstens: Pflegegeld und Entlastungsbetrag sind frei verwendbar. Zweitens: Bei medizinischer Notwendigkeit lassen sich die Kosten unter Umständen als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machen. Dafür brauchen Sie in der Regel ein ärztliches Attest, das vor dem Kauf ausgestellt wurde. Fragen Sie beim Lohnsteuerhilfeverein nach, bevor Sie bestellen.
Prüfpunkte vor dem Kauf
Diese Punkte entscheiden darüber, ob der Sessel im Alltag funktioniert. Gehen Sie sie durch, bevor Sie bestellen.
Sitzhöhe messen, nicht schätzen
Der wichtigste Wert. Messen Sie bei der Person, die den Sessel nutzen wird, im Sitzen den Abstand von der Kniekehle bis zum Boden, mit dem Schuh, der zu Hause getragen wird. Diese Länge ist die ideale Sitzhöhe: Füße flach am Boden, Oberschenkel etwa waagerecht. Ist der Sessel zu hoch, baumeln die Beine, ist er zu tief, hilft auch der Motor nur begrenzt. Hersteller geben die Sitzhöhe teils ohne Einsinken an.
Sitzbreite und Belastbarkeit
Zu breit ist genauso schlecht wie zu schmal: Wer seitlich keinen Kontakt zu den Armlehnen hat, kann sich beim Aufstehen nicht abstützen. Die Armlehnen müssen das gesamte Körpergewicht tragen. Prüfen Sie die Belastbarkeit und nehmen Sie Reserve mit, statt am Limit zu kaufen.
Platzbedarf hinter dem Sessel
Der klassische Planungsfehler. Viele Modelle brauchen beim Zurückfahren 20 bis 40 Zentimeter Abstand zur Wand. Messen Sie den Stellplatz im ausgefahrenen Zustand aus. Prüfen Sie außerdem, ob eine Steckdose erreichbar ist, ohne dass ein Kabel quer durch den Raum läuft. Ein Kabel im Laufweg ist eine der häufigsten Stolperfallen in der Wohnung.
Notabsenkung bei Stromausfall
Fällt der Strom aus, während der Sessel in Liegeposition steht, sitzt die Person fest. Gute Modelle haben einen Akku-Notabsenker für die Rückstellung in die Sitzposition. Prüfen Sie, ob das Modell so etwas mitbringt.
Bezug und Reinigung
Kunstleder lässt sich feucht abwischen und ist bei Inkontinenz die pragmatischere Wahl, kann aber bei Wärme kleben. Mikrofaser und Stoff sitzen sich angenehmer, sind jedoch empfindlicher gegen Flecken. Sind Flüssigkeiten ein Thema, planen Sie eine waschbare Auflage ein.
Aufbau und Lieferung
Aufstehsessel wiegen häufig 40 bis 60 Kilogramm. Klären Sie vor der Bestellung, ob bis in die Wohnung geliefert wird oder nur bis zur Bordsteinkante. In Etagenwohnungen ohne Aufzug ist das ein echtes Thema.
Der ehrliche Gegencheck
Ein Aufstehsessel nimmt Arbeit ab. Genau das ist auch sein Risiko. Wer noch selbst aufstehen kann und es nur mühsam findet, verliert durch die dauerhafte Nutzung Muskelkraft, die er später bräuchte. Sinnvoll ist der Sessel, wenn das Aufstehen ohne Hilfe nicht mehr sicher gelingt oder Schmerzen verursacht. Solange es noch geht, ist ein etwas höherer, fester Stuhl der bessere Trainer. Sprechen Sie im Zweifel mit dem Physiotherapeuten, der die Person kennt.
Häufige Fragen
Was kostet ein Sessel mit Aufstehhilfe?
Die Spanne ist groß. Modelle mit einem Motor liegen im Einstiegsbereich, Sessel mit zwei Motoren in der Mittelklasse, Modelle mit drei Motoren und hochwertigen Bezügen im Premiumbereich. Da sich Preise laufend ändern, prüfen Sie den aktuellen Preis direkt bei Amazon.
Übernimmt die Krankenkasse einen Aufstehsessel?
In der Regel nicht. Aufstehsessel gelten als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens und sind damit keine Kassenleistung. Erstattungsfähig können reine Aufrichthilfen sein, etwa bestimmte Sitzkissen mit Katapultmechanik, wenn ein Arzt die Notwendigkeit begründet verordnet.
Reicht ein Motor oder brauche ich zwei?
Ein Motor reicht zum Sitzen, gelegentlichen Ausruhen und für die Aufstehhilfe. Zwei Motoren lohnen sich, wenn jemand viele Stunden täglich im Sessel verbringt oder die Beine hochlegen muss, während der Oberkörper aufrecht bleibt. Drei Motoren sind nur nötig, wenn der Sessel der Lebensmittelpunkt ist.
Welche Sitzhöhe ist die richtige?
Messen Sie im Sitzen den Abstand von der Kniekehle bis zum Boden, mit dem üblichen Hausschuh. Dieser Wert ist die passende Sitzhöhe: Füße flach am Boden, Oberschenkel waagerecht. Beachten Sie, dass Polster nachgeben und die tatsächliche Sitzhöhe oft niedriger ausfällt als angegeben.
Was passiert bei Stromausfall?
Ohne Notfallfunktion bleibt der Sessel in der aktuellen Position stehen. Steht er in Liegeposition, kommt die Person nicht heraus. Achten Sie auf einen Akku-Notabsenker, mit dem sich der Sessel ohne Netzstrom in die Sitzposition zurückfahren lässt.
Kann ein Aufstehsessel schaden?
Er kann den Muskelabbau beschleunigen, wenn er zu früh dauerhaft genutzt wird. Wer noch selbstständig aufstehen kann, sollte diese Bewegung weiter üben. Sinnvoll wird der Sessel, wenn das Aufstehen ohne Hilfe unsicher wird, Schmerzen verursacht oder gar nicht mehr gelingt.
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